Humanistisches Bildungsideal für die Zukunft fit machen

von Sascha Brok

Die CDU ist die Partei für die Menschen. Das christliche Wertefundament fordert uns auf, weit über wirtschaftliche und technische Notwendigkeiten hinaus in unserer modernen Gesellschaft nachzudenken. Nicht das Bruttosozialprodukt von morgen, sondern die Menschen, die es erwirtschaften und davon profitieren sollen, sind unsere Handlungsmaxime.

Fragen der Bildung und Ausbildung werden richtigerweise mit den Zukunftsproblemen des Fachkräftemangels und des sich durch die Globalisierung verstärkenden Wettbewerbs verbunden. Dieser Fokus auf das betriebswirtschaftliche Humankapital greift aber zu kurz. Denn die Allseitigkeit des Menschen zu sehen und zu berücksichtigen, ist der wichtigste Teil der Bildung. Dieses humanistische Bildungsideal gilt es fit für die Zukunft zu machen. Mit dem Beschluss „Bildungsrepublik Deutschland“ vom Leipziger Parteitag 2011 weist die CDU in die richtige Richtung.

In einer arbeitsteiligen und globalen Welt, die zudem immer kapitalintensiver – und damit immer mehr nach dem Prinzip von „Null und Eins“ und „winner takes it all“ funktioniert – arbeitet, werden Grundsatzentscheidungen für den „nachhaltigen Erfolg“ einer Gesellschaft essentiell. Es gilt also die Beziehung von Spezialisten- und Generalistentum neu zu tarieren. Wenig hilfreich ist das Implementieren von Folgenabschätzungskommissionen oder Ähnlichem. Dies führt letztlich zu Bürokratie und der Entfremdung vom Menschen. Jedoch muss dem Spezialisten ein Gefühl/ Wertekanon für die Grenzen seines Handelns und dem Generalisten eine Ahnung von den Möglichkeiten einer Idee vermittelt werden („nicht alles was der Mensch kann, soll er dürfen“). Dies verlangt: Bildung muss im Bewusstsein von uns neu verfestigt werden. Nicht nur Politik oder Verwaltung entscheiden alleine über die Wettbewerbsfähigkeit des Bildungssystems, sondern gemeinsam mit Schule, Universität, Lehrern, Eltern, Professoren, Studenten und Gesellen.

Acht Kernforderungen an ein zukunftsfähiges Bildungssystem:

  1. Frei nach Ludwig Erhard: „Bildung für alle“: Inklusion von Schwächeren – von der Idee getragen, dass sich der Lernerfolg bei unterschiedlichen Menschen auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten einstellt. Vor dem demographischen Hintergrund in unserem Land eine der grundsätzlichen Fragen.
  2. Kultur und Sprache – sogenannte soft-skills – sind elementar für die Offenheit gegenüber dem Anderen und Neuem. In einer arbeitsteiligen, globalen Welt unabdingbar.
  3. Nicht die Erfolgreichen sollten sich primär an den Kosten für Bildung beteiligen, sondern die Profiteure. Am direktesten lässt sich Erfolg bei Studium und Meisterprüfung feststellen. Es sollte aber weniger über Studiengebühren nachgedacht werden, sondern eher über nachgelagerte Solidaritätsbeiträge von erfolgreichen Absolventen. Die finanzielle Verschuldung durch Bildung ist kein guter Motivator.
  4. Lehrbeauftragte müssen die Lebenswirklichkeit ihrer Schüler, Studenten, Gesellen etc verstehen. Der Lehrer muss Vorbildcharakter haben. Damit werden an die Ausbildung eines Lehrers weit mehr Fragen zu stellen sein als lediglich fachliche Qualifikationen. Der Lehrer benötigt Auszeiten für Weiter- und Umbildung.
  5. Die digitale Revolution stellt das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Wir wissen noch nicht, was all dies bedeutet. Die Anwendung und Aufnahme der neuen Medien und Instrumente in Lehrpläne und Prüfungsverordnungen ist sinnvoll, aber nur ein erster Schritt.
  6. Wir brauchen mehr Unternehmertum. Existenzgründung und Selbständigkeit ist das Rückgrad von funktionierenden Gesellschaften. Oftmals werden in Deutschland bürokratische oder finanzielle Hürden angeführt, die dem entgegenstehen. Es geht aber vor allem um Unternehmergeist, den es im Menschen zu wecken gilt.
  7. Das Prinzip Geld muss besser verstanden werden. Finanzielle Allgemeinbildung – wie verhält es sich mit Sparen und Konsumieren über einen längeren Horizont hinweg? – sind sehr wichtig für die Stabilität von Gesellschaften. Die Überschuldung des Einzelnen ist nicht hinnehmbar, aber auch die der Öffentlichen Hand ist nicht nachhaltig.
  8. Ein Bildungssystem muss zu einer Gesellschaft und Wirtschaft passen: Unser Verständnis von Gleichheit setzt hohe Maßstäbe an die Förderung von Excellenz. Unsere mittelständisch und industriell geprägte Wirtschaft wertet den Facharbeiter auf. Das heißt: Universität und Spitzenforschung dürfen nicht singulär gesehen werden. Die Fachausbildung oder der Meisterbrief sind mit dem Studium oder der Professorenstelle auf Augenhöhe.

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