Die demographische Dividende nutzen – kleinere Klassen durch gleichbleibende Lehrerzahl.“ und „Holt endlich das 21. Jahrhundert und die Lebensrealität in die Schulen!

von Sven Volmering MdB

Deutschland benötigt dringend eine Grundsatzdebatte über die Frage, in welche Richtung sich die Schulpolitikpolitik als ein zentraler Bestandteil der Bildungspolitik in unserem Land zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwickeln muss.

Diese Debatte ist seit Langem überfällig, da viele der tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 20 Jahre, insbesondere im Bereich der Digitalen Bildung, bei ehrlicher Betrachtung letztlich noch gar nicht auf breiter Basis im Schulsektor angekommen sind. Für CDU/CSU bieten sich hier eigentlich enorme Profilierungschancen. Die gesamte politische Linke führt in Endlosschleife wie im Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer wieder die ideologisch aufgeladenen Debatten der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und setzt ihren gleichmacherischen Einsatz für Einheitsschulen und Leistungsanforderungsabbau (keine Noten, keine Hausaufgaben, kein Sitzenbleiben) fort. Diese Politik wird zwar von einer großen Mehrheit der Bevölkerung deutlich abgelehnt, nichtsdestoweniger hat die Union die Meinungsführerschaft – trotz großer Erfolge bspw. in Bayern oder Sachsen – über die Bildungspolitik medial und personell leichtfertig verspielt. Die Feststellung, dass gute Bildung das unerlässliche Fundament und die beste Grundvoraussetzung für eine eigenverantwortliche Existenzabsicherung unabhängig von Eltern und Staat darstellt, wird in Sonntagsreden immer wieder gerne aufgegriffen, bei der Ministerienauswahl und der konkreten Politikgestaltung oftmals zu Gunsten sogenannter Kernressorts umso lieber vergessen. 2 Bildungsminister der Union auf Länderebene sind nichts anderes als ein Offenbarungseid in einem zentralen Zukunftsfeld, der in der Außenwirkung auch nicht durch die Bundesbildungsministerin sowie die Erfolge auf Bundesebene (z.B. steigende Ausgaben im Bundeshaushalt seit 2005) kompensiert werden kann. Die Nichtpersonalpolitik der Union verhindert, dass unsere Vorstellungen in der Schulpolitik umgesetzt werden. Der Zukunftsfähigkeit Deutschlands wird ein Bärendienst erwiesen. Dies ist umso gefährlicher, da insbesondere die Digitalisierung enorme Auswirkungen auf die Schulen hat. Was also tun? Wichtig ist zunächst einmal, dass sich die CDU darüber bewusst wird, was sie inhaltlich will. Dies will ich exemplarisch mit einigen Kernforderungen am Thema der Schulpolitik, insbesondere mit einem kleinen Schwerpunkt auf die Digitale Bildung, verdeutlichen.

1. Holt endlich das 21. Jahrhundert und die Lebensrealität in die Schulen!

Wir müssen über die Inhalte der schulischen Ausbildung reden und diese an die Lebensrealität des 21. Jahrhunderts anpassen. Und zwar ernsthaft und nicht mit Blick auf tolle Zeitungsschlagzeilen! Die ständigen Forderungen nach neuen Fächern bringen nichts – außer enttäuschte Erwartungen und Frust bei den entsprechenden Befürwortern und Lobbyisten sowie unnötige Grabenkämpfe zwischen den Befürwortern einzelner Fächer. Wichtiger und realistischer ist etwas anders. Es muss über einen Staatsvertrag und nicht über nichtssagende KMK-Beschlüsse festgelegt werden, welche Kernkompetenzen und grundsätzlichen Bildungsinhalte deutschlandweit in der Schule gelehrt werden, damit ein einheitlicher Standard gilt, der z.B. das Risiko eines Schulwechsels zwischen Bundesländern minimiert sowie eine stärkere Vergleichbarkeit der Bildungspolitik einzelner Länder ermöglicht. Die Länder können diese, wo es notwendig ist, im Hinblick auf länderspezifische Besonderheiten und Prüfungen durch eigene Vorgaben ergänzen. Ansonsten muss den Schulen die Freiheit gegeben werden, stärker als bisher jenseits starrer Lehrpläne auf aktuelle Ereignisse in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik thematisch reagieren zu können, ohne ständig durch zentrale Vorgaben gefesselt zu werden. Dies macht neue Fächer obsolet und ermöglich die Integration in die bestehenden. Eine zentrale Chance, dieses System zum Erfolg zu führen, bietet die Digitale Bildung. Hier herrscht jedoch leider noch ein enormer Nachholbedarf. Die CDU muss die Partei sein, die auf diesem positiv besetzten Zukunftsfeld realistische Schwerpunkte setzt und Fortschritte ermöglicht! Unerlässlich ist hier die schnelle Umsetzung folgender Punkte:

a) Die Lehreraus- und –fortbildung im Bereich der Digitalen Bildung muss massiv ausgeweitet werden und einer stärkeren Verbindlichkeit bei Prüfungen für Studenten und Referendare zugeführt werden!
b) Deutschland braucht einen Pakt für Digitale Bildung, der die unterschiedlichen Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenführt und Projekte sowie bei Bedarf Infrastruktur und Ausstattung finanziell fördert!
c) Deutschland braucht in jedem Bundesland eine Eliteschule IT/Digital, damit digitale Exzellenz gefördert wird!

2. Lehrer vor die Klassen! Nicht vor die Aktenberge!

G8/G9 , Gesamtschule ja/nein? – allein diese Stichwörter reichen aus, um das ganze Dilemma der Schulpolitik zu verdeutlichen. Zu oft wurde und wird am Schulsystem herumgedoktort. Je nach Regierungskonstellation kann es sein, dass alle 5 Jahre eine große Strukturreform oder thematisch schlecht vorbereitete Vorhaben durchgeführt werden müssen, die die Kapazitäten in den Schulen massiv belasten und zu einem Prozess der ständigen Unruhe und der permanenten Reform führen. Jüngstes Beispiel ist die schlecht vorbereitete Implementierung der Inklusion im rot-grünen NRW. Damit muss Schluss sein! Die Kollegien und die Schulleitungen ächzen nicht nur unter den Reformen, sondern auch unter einem enormen Bürokratieaufwand, der dazu führt, dass die Hauptaufgabe des Unterrichtens immer weiter in den Hintergrund gerät. Dokumentationspflichten, das Schreiben von Papieren für die Schublade und die Erhebung unwichtiger Statistiken rauben Zeit, die für die Schülerinnen und Schüler fehlt. Deshalb muss ernsthaft darüber diskutiert werden, wie der Bürokratieaufwand an deutschen Schulen massiv reduziert werden kann. Lasst die Lehrer einfach mal in Ruhe!

3. Klassengrößen reduzieren! Lehrerzahl konstant halten! Lehrerleistungen belohnen!

Kleinere Lerngruppen sind effektiver als größere Lerngruppen. Der demographische Wandel birgt bei allen Risiken und negativen Folgen in der Bildungspolitik die große Chance, dieses alte politische Ziel zu erreichen. Deshalb sollte die CDU den bisherigen Stand an Stellen in den Schulen nicht abbauen, sondern mindestens halten, damit kleinere Lerngruppen besser gefördert werden können und junge, gut ausgebildete Lehramtsstudenten eine Berufsperspektive haben! Damit wir auf Dauer die besten Köpfe für den Lehrerberuf gewinnen,muss es attraktiver werden, diesen Beruf zu ergreifen. Das bestehende System der Besoldungsgruppen im Schuldienst ist oft sehr starr und führt dazu, dass exzellente Leistungen nicht immer honoriert werden. Daher brauchen wir zusätzlich ein Anreizsystem, dass gute Leistungen belohnt (Boni, Sonderentlastungsstunden).

One thought on “Die demographische Dividende nutzen – kleinere Klassen durch gleichbleibende Lehrerzahl.“ und „Holt endlich das 21. Jahrhundert und die Lebensrealität in die Schulen!

  1. Ludwig Dürr on

    Sehr geehrter Herr Volmering,
    um ihren Artikel mal kurz auf den Punkt zu bringen halten wir folgendes fest:

    – Die Rot Grüne Landesregierung ist scheiße
    – Das Schul und Bildungssystem muss sich ändern
    – Vor allem im Digitalen Bereich muss gefördert werden
    – Wir brauchen mehr Eliteförderung
    – und noch ein paar Dinge

    Nun möchte ich folgende Gedanken dazu anregen. Das die Rot-Grüne Landesregierung nicht die beste ist wissen wir alle, aber auch diese hat manchmal gute Ideen. Anstatt immer auf den anderen Parteien rumzuhacken wäre es förderlich nicht nur immer an sich selber zu denken, sondern aus allen Parteien die besten Ideen zu sammeln und zu einem Konzept zusammen zu fügen. Nur weil die Linke meist nur Müll von sich gibt, heisst das ja nicht das Sie auch mal eine gute Idee hat. Durch diesen Parteienkonflikt wird viel zu viel kaputt gemacht.

    Zum Schulsystem, es ist klar das es sich ändern muss. Die Frage stellt sich nur wie. Diese Aufgabe muss eine des Bundes werden und zentral geregelt werden. Es wäre aber für die breite Mehrheit des Volkes gut die verschiedenen Schulsysteme aufzulösen. Es reicht eine einheitliche Grundschule (1.-5.Klasse) abdem fünften Lebensjahr und danach eine im Prinzip „Gesamtschule“(6.-10.Klasse) auf der natürlich die Möglichkeit besteht das Abitur zu machen (11.14.Klasse). Zudem ab der 11.Klassen die Fachschulen mit der Möglichkeit das Fachabitur zu erwerben. Jetzt schreien natürlich viele auf und sagen die Elite muss aber im Gymnasium gefördert werden. So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Die Elite sind wenige Menschen im deutschen Volk. Der größte Anteil der Bevölkerung sind ganz normale Menschen. Und genau dieser Teil muss in den Schulen gefördert werden. So dass grade auch die weniger Begabten eine Chance auf gute Bildung haben. Wissen Sie eigentlich wie schwer es ist Abitur zu machen und zu studieren, wenn man aus einer armen Familie mit weniger Begabung kommt?

    Der digitale Bereich wir heutzugate immer wichtiger. Aber sowohl die SPD Regierung, wie auch die CDU haben diesen Wandel völlig verpennt. Grade in der Unterrichtsfachgestaltung. Grade in diesem Thema stellt sich mir oft die Frage ob dort alles so Richtig läuft. Wenn ich grade in die „untere Schicht“ der deutschen Bevölkerung schaue (auch wenn ich Sie ungerne so nenne) wird mir immerwieder klar, in der Schulbildung wird einiges falsch gemacht. Früher wurden Werte durch die Gesellschaft vermittelt, dies ist heute aber nicht mehr so. Da die Kinder und Jugendlichen einen großteil ihrer Zeit in der Schule verbringen muss diese auch dazu da sein Werte zu vermitteln. Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig an Themen wie Ernährung, Gesellschaftliches Verhalten, Wie gehe ich mit Geld um, usw. herrangeführt werden. Fächer wie Hauswirtschaft, Sport, Erziehungswissenschaften müssen zum Plichtfach werden und sind wichtiger als Biologie und Physik.

    Lehrer müssen eine größere pädagogische Ausbildung bekommen um dieses System zu ermöglichen.
    Dazu muss auch der Lehrermangel aufgefangen werden.
    Nun wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag und weiterhin viel Erfolg.

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